Die Deutsche Vernetzungsstelle Ländliche Räume lud im Juni zum bundesweiten Austausch über das LEADER-Programm in die Stadt der „Roten Rosen“ nach Lüneburg ein. Über 200 Vertreter der Regionen aus ganz Deutschland kamen zusammen.
Nach einführenden Worten von Martina Weber vom Niedersächsischen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz navigierte uns Boris Lebedev von der Reinventing Society e.V. durch den „Nebel – Zukunftsmut in unsicheren Zeiten stärken“. Woran halten wir uns fest, wenn gewohnte Orientierungspunkte sich verschieben? Woraus schöpfen wir Energie und Zuversicht in Zeiten dieses rasanten Wandels? Was zeichnet die LEADER-Community aus? Gemeinsam wurde kreativ erarbeitet, wie man mit den Herausforderungen einer unsicheren Zukunft umgeht und wie wir LEADER zukünftig gestalten können. Lebendige Impulse wurden weitergegeben, die Lust machen, mit neuer Energie weiterzumachen.
Ein Highlight des Treffens war die Besichtigung umliegender LEADER-Projekte in den angrenzenden LEADER-Regionen, fünf verschiedene Exkursionsangebote luden ein, neue Anregungen für die eigene Arbeit in der Heimatregion zu sammeln und sich mit den Initiatoren auszutauschen.
So ging es unter anderem in das „Handwerksmuseum Suhlendorf“. Dort werden in historischen Gebäuden und einer Bockwindmühle rund 26 alte Handwerksberufe vorgestellt. Dank LEADER sind hier bereits mehrere Projekte umgesetzt worden, zum Beispiel ein Anbau an das Backhaus, eine barrierefreie Wegegestaltung und ein Spielplatz mit Sonnensegel. Das Museum wird komplett ehrenamtlich geführt und ist ein beliebtes Ausflugsziel für Familien und Schulklassen geworden, die hier von den Ehrenamtlichen praxisnah und zum selbst ausprobieren an die alten Handwerksberufe herangeführt werden. Über einen Audioguide mit verschiedenen Geschichten zu den jeweiligen Berufen können außerdem Infos abgerufen werden.



Die „Dirt-Bike-Bahn am Oldenstädter See“ ist ein lokaler und regionaler Trainingsplatz für Mountainbike und BMX-Fahrer und wird von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen zur wohnortnahen aktiven Erholung im Freien rege genutzt. Die Jugendlichen kümmern sich zum Teil selbst um kleinere Instandhaltungsmaßnahmen und tragen durch Verantwortungsbewusstsein zum Erhalt des LEADER-Projektes der Hansestadt Uelzen bei.


Der „Rollator-Parcours im Kurpark Bad Bevensen“ bringt Mobilitätseingeschränkten Personen den Umgang mit Gehhilfen, Rollatoren oder Rollstühlen näher. Auf 300 qm kann man Dank LEADER nun üben, mit unterschiedlichen Untergründen und Hindernissen besser zurecht zu kommen und gerüstet für den Alltag zu sein. Dieses LEADER-Projekt der Stadt Bad Bevensen konnte nach einer Idee von Studenten der Leuphana Universität Lüneburg umgesetzt werden.


In der Exkursion zur „Wassermühle Karoxbostel“ befanden sich gleich drei LEADER-Projekte an einem Fleck.
Durch die Wiederherstellung des Wasserantriebs kann die Sägerei wieder betrieben werden und liefert das zugeschnittene Holz für alle Projekte des Vereins „Wassermühle Karoxbosel e.V.“ der mittlerweile aus ca. 1200 Mitgliedern besteht und ein unwahrscheinliches ehrenamtliches Engagement vereint.
Das LEADER-Projekt „Doras Garten“ ist ein mehrere Hektar großer Nutz- Zier- und Obstgarten, der durch verschiedene Angebote zum Mitmachen und Lernen einlädt. Viele Gruppen und auch Schulklassen beteiligen sich hier.


Der Erhalt von alten Handwerkstechniken ist in jedem Bereich des Mühlengeländes sichtbar. Mit Kursen in der Schmiede, Sägerei, oder Küche wird handwerkliches Wissen vermittelt und ein Bewusstsein für altes Handwerk geschaffen.


Der zweite Tag stand ganz im Zeichen der Zukunftsperspektiven für das LEADER-Programm ab 2028. Hier diskutierten neben den Verantwortlichen der DVS auch geladenen Referenten wie Sabrina Repp, Mitglied des Europäischen Parlamentes, Michael Schmitz aus dem Europabüro des Deutschen Landkreistages, Martina Weber vom ML Niedersachsen, Melanie Steinbacher, Vertreterin für Tirol im LEADER Forum Österreich, Barbara Smith, Sprecherin der LEADER-Region in Baden-Württemberg und Dr. Hartmut Berndt, Bundesarbeitsgemeinschaft der LEADER-Aktionsgruppe in Deutschland.
Nach den Erfolgsgeschichten des Vortages ist es fast schon ernüchternd die verschiedenen Expertenmeinungen zu hören. Die EU-Förderung für den ländlichen Raum steht vor einem möglichen Umbau. Zwar gibt es breite Unterstützung für regionale Mitbestimmung und das LEADER-Modell, doch wichtige Fragen zu Budget, Zuständigkeit und Förderstrukturen sind noch offen. Es besteht die Sorge, dass Entscheidungen stärker zentralisiert werden und der ländliche Raum an politischem Gewicht verliert.
Das bundesweite Treffen hat einmal mehr gezeigt, dass LEADER vom Austausch guter Ideen, von Kooperationen und vom Engagement der Menschen vor Ort lebt. Die Gespräche und Beispiele aus Lüneburg haben gezeigt, welches Potenzial in ländlichen Regionen steckt – wenn die Menschen vor Ort die passenden Instrumente erhalten, um ihre Ideen umzusetzen. Damit solche Erfolgsgeschichten auch künftig möglich bleiben, braucht es über 2027 hinaus eine starke und verlässliche Förderung der ländlichen Entwicklung.
Für uns ist klar: LEADER braucht auch künftig eine starke Stimme. Denn nachhaltige Entwicklung, regionale Beteiligung und innovative Ideen entstehen dort, wo Menschen ihre Heimat aktiv mitgestalten.

Foto: A.-K. Heck